Der Glücksbringer?

Ich würde mich als absolut rationalen Mensch bezeichnen. Alles ist zu erklären: Erfolg und Misserfolg liegen in den eigenen Händen.

Bis auf eine Ausnahme. Das Fischen. Nicht alles liegt in den eigenen Händen. Es gibt viele Einflüsse die wir nicht kontrollieren oder erklären können. Wir können rätseln, grübeln und Entscheidungen treffen. Doch den letzten Schritt über Erfolg und Misserfolg können wir nur erahnen. Vielleicht ist dieses Unwissen ein Mosaikstein der Faszination, die das Angeln ausmacht.

Beim Fischen gibt es für mich unzählige Rituale und kleine Glücksbringer. Das fängt vom richtigen packen des Autos an, dem "gewünschten" Start von Zuhause, vom Verkehr auf der Autobahn und den letzten Kurven auf dem Weg zum See. Dem Aufbau und platzieren der Bissanzeiger, die richtige Farbe an den "aussichtsreicheren" Platz. Für alle Kleinigkeiten gibt es einen festen Platz auf dem Bivvytable.

Ihr könnt euch denken was kommt. Bei diesem Trip schien sich alles gegen mich verschworen zu haben. Meine Angelutensilien waren aus unterschiedlichen Gründen nicht alle verfügbar und der Start zur Session war alles andere als perfekt. Viel zu spät komme ich von Zuhause los und stürze mich erst einmal in den ersten Feierabendstau. Die Stimmung nimmt zunehmender Stunde nicht zu, der Himmel wird immer dunkler. Ich fahre nicht nur in die Nacht sondern auch in den Regen.

Im Dunkeln bin ich am favorisierten See angekommen. Alle favorisierten Plätze sind besetzt. "War ja klar.".

Weiter zum zweiten See. Ein Auto steht auf dem Parkplatz.doch wo sitzt der Angler. Im Dunkeln hat man keine Chance zu erkennen wo der Angler sein Zelt und seine Ruten ausgelegt hat. Es hilft nichts, ich mache mich auf den Weg um den See. Dieses mal habe ich Glück und mein favorisierter Platz ist frei. Doch dieses Glück hält nicht lange. Gerade habe ich das Boot beladen und möchte übersetzen, beginnt es auch noch zu Regnen. Nachts um halb 11, im Regen und Wind übersetzen.IN diesen Situationen fragt man sich schon:" Wie bescheuert bin ich? Was für ein Hobby habe ich eigentlich?".

Es hilft nichts, ich baue im dunkeln und regen auf. Lege die Ruten irgendwie ab und lege mich erst einmal schlafen. Die Nacht ist natürlich ruhig und der Morgen empfängt mich mit Sturm und Regen. Bootfahren unmöglich. Die Ruten bleiben wo sie nachts lagen.

Dieses Mal bin ich nicht "nur" zum Fischen unterwegs, sondern habe auch noch einiges an Papierkram zu erledigen und lernen. Das Fischen steht nicht unbedingt im Vordergrund.

Erst gegen Mittag klart es ein wenig auf und ich kann mich ausführlicher meinen Spots und Ködern widmen. Das Wasser ist mit 11 Grad erstaunlich kalt und ich werde beim ablegen immer wieder abgetrieben und von kleinen Regenschauern nassgemacht.Herrlich!

Ich habe mich im Zelt gerade wieder getrocknet, als auch schon die ersten Piepser vom Bissanzeiger kommen. Kurze Zeit später habe ich eine Brasse abgehakt und darf meine Rute neu legen. Auch dieses Mal liegt diese Montage nicht lange am Grund. Eine prächtige Schleie hat sich den Köder einverleibt. Aktion am Platz. Eigentlich nicht schlecht.aber wenn man im Zelt arbeiten will, ganz sicher nicht mein Wunschergebnis.

Es kommt was kommen muss. Auch dieses Mal gibt der Bissanzeiger nur kurz nach dem Ablegen wieder einzelne Töne von sich. Ich setze einen Anhiebt und drille den Störenfried in Richtung Angelplatz. Der Wiederstand ist mäßig, ich pumpe kräftig und rechne mit einer weiteren Schleie. Leichte Regenschauer begleiten meine Gedanken auf 30er Boilies umzusteigen.

Der Schlagschnurknoten gleitet klickt durch den Spitzenring, da explodiert das Wasser 10m vor mir. Okay, keine Schleie!

Ein deutliches "Ups" entfährt mir, war ich doch im Drill nicht zimperlich! Jedoch brennt nichts mehr an und ich schiebe den Kescher unter einen schönen Schuppi. Erst dann erkenne ich was für ein massiver Fisch das ist. Das schlechte Gewissen wird deutlich größer ;).

Der Bann ist gebrochen und ein neuer Glücksbringer gefunden?!

Am Nachmittag wechseln sich Regenschauer mit Sonne ab und ich darf an diesem Tag noch einige schöne Fische fangen.

Am nächsten Tag wechselt das Wetter auf Sonne und die Bisse hören auf. Ein Wetterwechsel macht mir wiedermal einen Strich durch die Rechnung. Erst in der letzten Nacht kann ich einen weiteren Fisch überlisten.

Dennoch kann ich mit einem neuen Glücksbringer, einer guten Vorbereitung und vielen schönen Erinnerungen in den Alltag zurückfahren.

Dominik